Strava Challenge – Gran Fondo 4

gran-fondo-4-v1Challenge completed! Wie lange musste ich darauf warten? In der Vergangenheit entsprachen die Herausforderungen nie einer für mich geeigneten Kombination aus Leistungsvermögen, Motivation, Zeit und den vorherrschenden landschaftlichen Gegebenheiten, um sie erfolgreich abzuschließen. Zwar hatte ich mir bei solchen Ereignissen auch schon persönliche Ziele gesetzt und erfüllt, wie zum Beispiel bei der „Strava Rapha Rising Challenge„, aber ein offizeller Abschluss ist mir bisher nie gelungen. Der Gran Fondo 4 passte diesmal jedoch in mein Aktivitätsprofil. Wie die Nummer es schon sagt, handelt es sich um den vierten Teil der Strava Gran Fondo Serie. In der geht es darum, die jeweils ausgeschriebene Distanz mit einer Radfahrt zurückzulegen. Im Fall des Gran Fondo 4 waren das 130 Kilometer. Die im Verlauf des Monats Aprils zu absolvieren waren. Eine für mich ambitionierte Distanz. Die ich in der Vergangenheit jedoch bereits einmal überschritten und zweimal fast erreicht hatte. Der Zeitpunkt der Herausforderung war für mich ebenfalls günstig. Das Frühjahr war bis dahin gut gelaufen und im April, genauer nach Ostern, hatte ich sogar noch eine Woche Urlaub. So entschied ich mich zur Teilnahme. Fest entschlossen die Challenge erfolgreich abzuschließen.

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Raps war mein ständiger Begleiter

Terminlich war das Unterfangen dann doch nicht so einfach umzusetzen, wie zunächst gedacht. Den Anfang des Monats ließ ich, mit Hinblick auf die Woche Urlaub, untätig verstreichen und im Urlaub lief mir dann die Zeit davon. Zum Einen musste ich mich um die Kinder kümmern, zum Anderen war das Wetter nach Ostern etwas schwankend. Zusätzlich wollte der Sohnemann sein neues MTB regelmäßig ausführen und der Monat neigte sich bereits dem Ende zu. Die Lösung für dieses Dilemma fand ich in der Ausschreibung zum Gran Fondo. Stand doch dort geschrieben: „… weichen Sie von Ihren gewöhnlichen Routen ab und suchen Sie ein Abenteuer…“. Warum also keine kombinierte Tour? Zunächst solo die Grundlage für den Gran Fondo mit dem Rennrad schaffen und ihn anschließend, gemeinsam mit meinem Sohn, auf dem MTB vollenden? Die Idee gefiel mir sofort.

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Auch der Rennrad-Track zeichnete sich durch viele schöne Waldpassagen aus.

Für den 23.4 war dann bis zum frühen Abend beständiges, freundliches Wetter gemeldet. So startete ich um 10:00 Uhr mit dem Rennrad, um in diesem ersten Abschnitt, mit ca. 100 Kilometern, die Basis für den Gran Fondo zu legen. Mein Weg führte mich in einer weiten Schleife um Rheda-Wiedenbrück herum. Den Track habe ich im März zum ersten Mal abgefahren und er hatte mir gut gefallen. Zum Fondoday kehrte ich die Fahrtrichtung um, damit ich die welligen Beckumer Berge direkt zu Beginn der Tour unter die Reifen nehmen konnte.

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Radwechsel auf das MTB

Als ich gegen Ende des Rennrad-Tracks noch ca. 20 Minuten von Zuhause entfernt war rief ich meinen Sohn an. Damit er schon seine Vorbereitungen treffen konnte und ich nicht zu lange auf ihn warten musste. Den kurzen Zwischenstopp zum Radwechsel nutzte ich noch zum Verpflegen, bevor es dann gemeinsam weiterging. Für den zweiten Abschnitt des Fondoday hatte ich einen 38 Kilometer langen Track zusammengestellt, der uns in den Uentruper Wald führen sollte.

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Der Sohnemann vorweg.

Zu Beginn des MTB-Abschnitts empfand ich die andere Sitzposition sehr angenehm. Doch ich merkte schnell, dass die kraftraubendere Fahrweise über Wald- und Feldwege deutlich Körner kostete. Daher reduzierten ich die Intensität etwas und wir kamen so gut über die verbleibende Distanz und nach insgesamt 138 Kilometern und 5:44 Fahrtzeit war Gran Fondo 4 geschafft.

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Schöne und kräftezehrende Trails im MTB-Abschnitt.

Doch wie lautet mein Fazit? Hat mich die Challenge zusätzlich motiviert? Hatte ich mehr Spaß an der Tour?

Strava hat sich bei mir in den letzten Monaten in eine Haßliebe verwandelt. Noch immer finde ich es überwiegend motivierend und mir gefällt der Austausch, aber zeitweise kehrt sich das auch ins Gegenteil um. Zum Beispiel wenn man sieht, dass fast alle mehr, schneller oder häufiger fahren als man selbst. Ich finde auch dass sich der Anbieter Strava dort besser aufstellen könnte. Wie wäre es mit dynamischen Challenges, deren Ziele nach dem jeweiligen Aktivitätsprofil des Teilnehmers festgelegt werden? Statt für viele Nutzer utopische und unmotivierende Ziele zu definieren. Aber zurück zum Gran Fondo 4. Nein, ich hatte nicht mehr Spaß an der Tour und die Planung war eher Stress als Vergnügen. Ich verspüre momentan auch keinerlei Verlang den Gran Fondo 5, der ebenfalls mit 130 Kilometern veranschlagt ist, zu absolvieren.  Lieber mache ich es wie bisher. Das worauf ich Lust habe, dann wenn ich Lust habe.

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Und wieder Raps.

Strava Rapha Rising Challenge

Am letzten Sonntag ist die Strava Challenge „Rapha Rising“ zu Ende gegangen. Dies war die erste Challenge an der ich bisher teilgenommen habe. Für die, die sich nun fragen was eine Strava Challenge ist, eine kurze Einführung. Strava ist eine Community-Portal in dem man seine, z. B. per GPS, aufgezeichneten Sportaktivitäten im Bereich Radfahren und Laufen erfassen und protokollieren kann. Regelmäßig werden vom Anbieter so genannte Challenges initiiert. Bei einer Challenge geht es in der Regel darum, in einem festgeschiebenen Zeitraum, eine bestimmte Leistung zu erbringen. So waren also im Rahmen der „Rapha Rising“ Challenge, im Zeitraum vom 15. bis 22. Juli, 6881 Höhenmeter mit dem Rad zu „erklettern“.

Hintergrund dieser Challenge ist das populärste Radrennen der Welt, die Tour de France. Am 18.7 absolvierte das Fahrerfeld den so gennanten „Circle of Death“, die Königsetappe in den Pyrenäen. In diesem Jahr standen die Pässe des Col d’Aubisque (1,709m), Col du Tourmalet (2,114m), Col d’Aspin (1,489m) und Col de Peyresourde (1,569m), die zusammen eine zu bewältigende Gesamtsteigung von 6881 Metern ergeben, auf dem Rennprogramm.

Da ich die Berge sehr mag und gerne auf ihnen unterwegs bin, wurde ich natürlich sofort neugierig. Mein anfängliches Interesse an einer möglichen Teilnahme wich jedoch schnell einer, aufgrund fehlender Zeit und Topograpfie hervorgrufenen, Ernüchterung. Das Ziel von 6881 Höhenmetern in acht Tage, von denen ich nur drei Tage frei habe, in unserer Gegend zu erreichen war für mich nicht möglich. Selbstverständlich wäre ein erreichen des Ziels auch fraglich gewesen wenn diese beiden Faktoren anders ausgesehen hätten. So beschränkt sich meine Bergerfahrungen mit dem Rennrad bisher leider nur auf Mittelgebirgsniveau.  Bei Aufenthalten in Sauerland oder Eifel habe ich zwar schon Touren mit Längen um 100 Kilometern und 2000 Höhenmetern absolviert, aber 6881 in acht Tagen ist da schon eine andere Herausforderung an meine zwickenden Knie. Kurzum, ich schlug mir die Sache aus dem Kopf.

Stromberg

Als ich jedoch am Montag, nach dem Start der Challenge, auf Strava die Leaderboards ansah packte mich dann doch der Ehrgeiz. Warum nicht ein persönliches Ziel setzen und teilnehmen? Wie es der Zufall so wollte hatte ich am Vortag, dem ersten Tag der Challenge, eine Tour auf sehr welligen Terrain unternommen und so auf  ca. 80 Kilometern, 500 Höhenmeter gesammelt. Dies ist für die hier vorherrschenden, topografischen Verhältnisse schon ganz ordentlich und wäre ein schöner Grundstock gewesen. Umso ärgerlicher diese Tour, da ich der Challenge ja noch nicht beigetreten war,  außerhalb der Wertung absolviert zu haben. Also doch nicht teilnehmen? Nachdem ich meinem Ärger per Tweet ein wenig Luft verschafft hatte, erreichten mich schnell die ersten Reaktionen. Es stellte sichheraus, dass bei einer Teilnahme alle, also auch bereits absolvierte, Touren im Challenge-Zeitraum gewertet werden. Also doch teilnehmen!

Nachdem die Teilnahme nun beschlossene Sache war fehlte nur noch die Zieldefinition. Es blieb noch genau eine Woche übrig. Weil ich unter der Woche, sofern ich nicht frei habe, meistens keine Zeit zum Fahren finde, blieb also nur noch das Wochenende. Ich setzte mir daher 2000 Höhenmeter als Gesamtziel, es fehlten also noch 1500 Meter.

Bei Stromberg. Am Horizont ist der Höhenzug des Teutoburger Walds, das Ziel des nächsten Tags,  zu erkennen.

Am kommenden Wochenende zwei Touren mit jeweils 500 Hm zu absolvieren erschien mir unproblematisch, es würden dann aber immer noch 500 Hm fehlen. Während ich noch mitten in den Überlegungen steckte erreichte mich per Twitter die Einladung von Katrin, am Wochenende im Teutoburger Wald gemeinsam auf Höhenmeterjagdt zu gehen. Das gab meiner Rechnung neue Impulse. Nach dem Katrin am Sonntag auch schon  ca. 850 Meter für Rapha Rising gesammelt hatte, ging ich also für diese Tour von einem Zugewinn von 900 Hm aus. Das wären dann also zusammen schon 1400 Hm. Nun nahm ich mir nochmal die Streckenführung meiner letzten Ausfahrt vor und optimiert diese noch etwas. Nach dieser Anpassung zeigte mir GPSIES dann 622 Hm für die Strecke an. Das sollte also reichen und ich schloss die Planung für das Wochenende ab.

Wie soll man hier Höhenmeter sammeln?

Im Verlauf der Woche beschlich mich dann doch der ein oder andere Zweifel, ob die Planung nicht zu optimistisch ist und ein kleines Sicherheitspolster gut wäre. Ich schnappte mir also am Mittwoch Abend meine Familie und unternahm noch eine Radtour, natürlich nicht ohne dass der Fahrradcomputer munter aufzeichnete. OK, den ein oder anderen komischen Blick oder Kommentar musste ich hinnehmen als wir zwei Steigung mehrfach rauf und wieder runter fuhren. Aber am Ende standen dann auch 125 Hm zu Buche, meine Reserve.

Am Samstag stand dann die modifizierte Tour rund um Stromberg auf dem Plan. Unglücklicherweise war in der Gegend ein Großteil der Nebenstraßen frisch gesplittet und das Fahrvergnügen dadurch leider deutlich geringer, als noch  eine Woche zuvor. Eine weitere böse Überraschung ereilte mich dann zu Hause, beim Hochladen des aufgezeichneten Tracks. Die in GPSIES angezeigten 622 Hm waren auf 508 Hm, bei 78 Km, zusammengeschmolzen und mein Sicherheitspolster damit schon fast aufgezehrt.

Auf dem Weg zu Katrin, Gerry, Lionel, Thorsten und Sven.

Die Entscheidung musste also die Königetappe mit Katrin, Gerry, Lionel, Thorsten und Sven am Sonntag herbeiführen. Am Wochenende einen Wecker zu stellen ist zwar ein Verbrechen, aber da ich zunächst mit dem Zug in Richtung Bielefeld fahren musste, um mich dort dann mit den anderen zu treffen, bliebt mir nichts anderes übrig. Am Ziel angekommen holte mich Gerry freundlicherweise vom Bahnhof ab und führte mich zum Treffpunkt mit den anderen. Weil ich mich, wie schon am Samstag, nicht besonders fit fühlte und ich die Strecke auch nicht kannte, versuchte ich es ruhig anzugehen und den Puls nur bis ca. 160 Schläge davoneilen zu lassen. So konnte ich die landschaftlich sehr reizvolle Tour auch in vollen Zügen genießen. Vom Startpunkt aus ging es zunächst flach und parallel zum Höhenzug des Teutoburger Walds in Richtung Nordwesten. Nachdem wir nach Norden eindrehten überwanden wir den Hauptkamm des Teutos bei Borgholzhausen. Danach folgte der Streckenteil durch das Ravensberger Land, der sich durch ständiges auf und ab, viele Richtungswechsel und kleine, verkehrsarme Straßen charakterisiert. Zum Ende der Tour ging es, in Verbindung mit einer flotten Abfahrt, bei Bielefeld wieder zurück über den Teuto-Kamm.

Borgholzhausen

An gleicher Stelle wurde, aus der Gegenrichtung kommend, währen der Deutschland-Tour 2006 eine Bergwertung abgenommen. Nachdem mich Lionel und Gerry, einem Sprinterzug gleich, gerade noch rechtzeitig am Bahnhof ablieferten, ging es mit der Bahn wieder nach Hause. Der Höhenmesser zeigte, bei einer Distanz von 90 Km, am Ende 814 Meter an. Zusammen mit den Höhenmetern der 16 Km von An- und Abfahrt sollte das doch wohl gereicht haben.

Als ich, wieder Zuhause angekommen, die Tracks des Tages hochlud, musste ich dann jedoch feststellen dass mir doch tatsächlich 7 Meter fehlten, um das gestecket Ziel von 2000 Höhenmetern zu erreichen. Da ich diesen Bericht natürlich mit einem poitives Ergebnis abschließen wollte und bis zum

Ravensberger Land

geplanten Grillen auch noch ein paar Minuten Zeit waren, schnappte ich mir schnell mein Trekking Rad.
Auf einer 5 Km Runde komplettierte ich meine Sammlung um weiter 23 Meter und hatte damit mein Ziel erreicht!

Rückblickend kann ich sagen, dass mir die Teilnahme an „Rapha Rising“, trotz der Unerreichbarkeit des offiziellen Ziels, durch die Festlegung einer persönlichen Zielmarke, sehr viel Spaß gemacht hat. Weitere Challenges folgten bereits.

Ravensberger Land

Nach der Challenge ist vor der Challenge.