Haldenspotting: Rennradtour zur Adener Höhe

Das sonnige und warme Wetter am Wochenende des 15. Jahrestags der Wiedervereinigung wollte ich nochmal für eine schöne Rennradtour nutzen. Man weiß ja nie wann das Herbst- und Winterwetter sich endgültig durchsetzt. Mein Ziel war die Adener Höhe bei Bergkamen.

Panoramablick vom Gipfelplateau

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Haldenspotting: Idee und Abstecher zur Halde Hoheward und Hoppenbruch

Seit April bin ich nun stolzer Besitzer eines MTB. Es stellt für mich die ideale Ergänzung zum Rennrad da und garantiert abwechslungsreiche Touren. Weiterhin hoffe ich so etwas aktiver über den Winter zu kommen. Denn Rennradtouren waren in den Wintermonaten der letzten Jahre eher die Ausnahme als die Regel. Besonders viel Spaß macht mir damit das ziellose Herumcruisen und Erkunden. Weil man, im Gegensatz zum Rennrad, einfach nicht das Problem hat auf unbefahrbare Wege zu geraten und umkehren zu müssen. Denn gerade technisch schwierige Geländepassagen sind natürlich besonders reizvoll. Es ist auch nicht so, dass das MTB in meiner Gunst in Konkurrenz zum Rennrad tritt. Das Rennrad übt weiterhin einen gleich großen Reiz auf mich aus. Die Geschwindigkeit, die Leichtigkeit, der größer Aktionsradius und natürlich das Gefühl sich so richtig verausgaben zu können sind vom MTB unerreicht.

Auch auf dem MTB kann eine Umkehr notwendig sein.

Auch auf dem MTB kann eine Umkehr notwendig sein.

Weil die Topografie hier in der Gegend ja eher flach ist dauerte es nicht lange bis es mich, auf der Suche nach Höhenmetern im Gelände, zur Osthalde des ehemaligen Steinkohlebergwerks Westfalen zog. Dort fand ich ein tolles MTB-Revier vor. Verhältnismäßig lange Auffahrte und fordernde Downhill-Trails, eingebettet in die Hinterlassenschaften der Ahlener Bergbauepoche. Schon immer übten solch industriekulturelle Überbleibsel eine starken Reiz auf mich aus und auch bei meinen Rennradtouren nutzte ich das ehemalige Zechengelände sehr gerne für einen Abstecher. Daher bilden die Abraumhalden der alten Bergwerkstandorte sehr attraktive MTB-Tourenziel für mich.

Auf nach Bochum.

Auf nach Bochum.

Mitte September hielt ich mich, aufgrund eines Lehrgangs, eine Woche in Bochum auf. Da das Seminar täglich gegen 17:00 Uhr endete, es noch bis ca. 19:30 Uhr hell blieb und bestes Wetter gemeldet wurde, wollte ich diesen Zeitraum zum Radfahren nutzen und eins meiner Räder mitnehmen. Der Montag, Dienstag und Freitag fielen wegen der Anreise, Karten für das CL-Spiel des BVB gegen Arsenal und der Abreise zum Biken aus. Am Mittwoch und Donnerstag bestand jedoch die Chance für eine kleine Tour.  Nach kurzem Kartenstudium schien mir das MTB am geeignetsten, da die örtlichen Gegebenheit nicht viel reizvolle Möglichkeiten für das Rennrad hergaben.  Dann erinnerte ich mich an den Blog-Eintrag und das Video von @MisterBeany, einem sehr netten Twitter-Kontakt, in dem er die ganz in der Nähe liegende Halde Hoheward erwähnte. Diese bildet mit der benachbarten Halde Hoppenbruch die größte Haldenlandschaft des Ruhrgebiets. Nach einem weiteren Blick in die Karte stellt ich fest, dass es im Umfeld nur so vor Halden wimmelte. Da kam mir die Idee, nach den guten Erfahrungen im Heimatrevier, einige davon mit dem MTB zu erkunden.

Die Drachenbrücke. Wie das Skelett eins Dinosauriers.

Am Mittwoch zog ich mich nach Seminarschluss schnell im Hotel um und sprang ins Auto. Ich hatte mich entschlossen den Weg bis zur Hoheward mit dem Auto zurückzulegen, um die knappe Zeitspannen bis zur Dunkelheit möglichst effektiv an den Halden nutzen zu können. Ich parkte an der ehemailigen Zeche Recklinghausen II, setzte mein Rad zusammen und startete. Das erste Highlight taucht direkt zu Beginn vor mir auf. Die Drachenbrücke. Sie schlängelt sich gleich einer Schlange am Fuße der Hoheward über die Cranger Straße und reckt den Besuchern ihr hoch erhobenes Haupt entgegen.

Die Promenadenbrücke.

Die Promenadenbrücke.

Auf der anderen Seite angekommen, erreichte ich über eine Serpentine die Balkon-Promenade. Auf ihr umrundete ich zunächst die gesamte Halde. Während dieser Runde passierte ich die 11 Aussichtsbalkone und die Promenadenbrücke. An einigen Stellen verweilte ich kurz und ließ den Blick über das Ruhrgebiet schweifen. Rundherum sieht man, sich deutlich vom Landschaftbild abzeichnend, weitere Halden oder Fördertürme aufragen. Scheinbar zum Greifen nah, die Zeche Ewald mit ihrem imposanten Doppelbock-Fördergerüst.

Zeche Ewald in der Abendsonne.

Die Zeche Ewald in der Abendsonne.

Nach der Promenadenrunde nahm ich den Aufstieg zum südlichen Plateau in Angriff. Dieser führte duch 11 sehr enge Serpentinen hinauf zur Horizontalsonnenuhr, deren Zeiger ein 8,50 m hoher Edelstahl-Obelisk bildet. Das hier existierende Strava Segment erfordert daher, für eine gute Paltzierung, neben Kondition auch fahrerisches Geschick. Vom Südplateau konnt ich auch schon einen Blick auf das Nordplateau mit seinem Horizontobservatorium werfen. Ich umkreiste die Sonnenuhr und erreichte nach kurzer Ab- und Auffahrt das Observatorium. Es war faszinierend zu sehen wie viele Leute, aus den unterschiedlichsten Interessen, von diese Landmarke angezogen wurden. Da waren andere Mountainbiker, Rennradfahrer, eine Segway-Gruppe, Läufer, Wanderer, Kiter oder Menschen die einfach nur in der Sonne lagen. Alle kamen hier zusammen.

Blick auf die Sonnenuhr und as dahinter liegende Observatorium auf dem Nordplateau.

Blick auf die Sonnenuhr und as dahinter liegende Observatorium auf dem Nordplateau.

Da die Zeit bereits weit vorangeschritten war und nicht mehr viel Zeit bis zur einsetzenden Dunkelheit blieb, machte ich mich auf den Weg zur benachbarten Halde Hoppenbruch. Die beiden Halden liegen, nur durch einen Weg getrennt, unmittelbar nebeneinander. Auf dem Gipfel der Halde Hoppenbruch wurde ein Windrad und der Skulpturengarten Windkraft errichtet. Darüber hinaus gibt es auf ihr jedoch keinen Sehenswürdigkeit und sie dient den Mountainbikern als Trainigsrevier. Ich hatte zunächst Schwierigkeiten, bei der Vielzahl der Wege und Abzweigungen zum Gipfelplateau zu finden. Mit Unterstützung zweier ortskundiger Biker fand ich allerdings auf den richtigen Weg.

Blick aus dem Skulpturengarten auf dem Gipfel der Halde Hoppenbruch.

Blick aus dem Skulpturengarten der Halde Hoppenbruch.

Auf dem Gipfel hielt ich mich nur kurz auf und erkundte dann lieber die angelegten Trails. Und davon gibt es auf der Hoppenbruch eine Menge. Es fanden hier schon mehrfach MTB-Rennen statt und daher gibt teils aufwendig angelegte Elemente.

180° Anlieger auf der Hoppenbruch.

180° Anlieger auf der Hoppenbruch.

Die nun schnell schlechter werdenden Lichtverhältnisse zwangen mich dann leider zur Rückkehr. Dabei wäre ich gerne noch etwas dort herumgekurvt. Über die Hoheward ging es zurück zu meinem Ausgangspunkt und ich erreichte mit dem letzten Büchsenlicht wieder den Parkplatz.

Bei einsetzender Dunkelheit die Rückkehr zur Drachenbrücke.

Bei einsetzender Dunkelheit zurück an der Drachenbrücke.

Am Auto angelangt zerlegte und verstaute ich mein Rad und machte mich auf den Rückweg zum Hotel. Am nächten Abend wollte ich über die Erzbahntrasse in Richtung Norden, Gelsenkirchen entlang des Rhein-Herne Kanals umfahren und über die Halden Pluto Wilhelm, Schurenbach, Zollverein und Rheinelbe wieder zurück nach Wattenscheid. Der ortskundige @MisterBeany hatte freundlicherweise angeboten, mich ein Stück zu begleiten. Leider musste diese Tour dann aber wetterbedingt ausfallen. Ich werde sie jedoch mit Sicherheit in ähnlicher Form nachholen.

Zurück am Fuß des illuminierten Förderturms der Zeche Recklinghausen II.

Zurück am Fuß des illuminierten Förderturms der Zeche Recklinghausen II.