Sparkassen Münsterland Giro 2014

Plakatmotiv des diesjährigen Sparkassen Münsterland Giro. Quelle: http://www.sparkassen-muensterland-giro.de/

Im Oktober hieß es im Münsterland zum 9. Mal „Giro Time“ und diesmal auch wieder für mich. Im letzten Jahr verzichtete ich zugunsten des Besuchs beim Profirennen auf einen Start bei den Jedermännern. Doch dieses Jahr hatte ich mich, nach 2011 und 2012 zum 3. Mal, zu einer Teilnahme entschlossen. Wie immer startet ich über die kurze Distanz. Die diesmal von 60 auf 70 Kilometer ausgedehnt wurde.

Nachdem ich am Donnerstag Nachmittag bereits die Startunterlagen abgeholt hatte machte ich mich am Freitag Morgen, bei traumhaften Wetteraussichten, entspannt auf den Weg nach Münster. Die Sonne lachte und das Thermometer kraxelte schnell in die Höhe. Daher ließ ich die Knielinge direkt im Auto und auch die Armlinge verschwanden noch vor dem Startschuss in den Trikottaschen. Kurz, kurz im Oktober. Herrlich!

Ich wollte die Strecke wieder gemeinsam mit einem meiner Arbeitskollegen in Angriff nehmen, da wir bei den letzten Teilnahmen immer sehr gut harmoniert hatten. So trafen wir uns im Startbereich, begrüßten noch weitere Kollegen unter den Startern und Zuschauern und gingen in unseren Startblock.

Um 9:40 rollten wir dann los. Da nach 300 Metern bereits der erste Kreisverkehr folgte ging es relativ gemächlich über die ersten Meter, bevor das Tempo dann deutlich anzog. An allen Gefahrenstellen, wie Fahrbahnteilern oder Kreisverkehren, waren Sicherheitsposten aufgestellt und auch die Teilnehmer warnten sich untereinander vorbildlich per Handzeichen oder Zuruf. So ging es ohne große Schwierigkeite hinaus aus Münster, wo das Terrain auch direkt wellig wurde. Das Feld sortierte sich. Man wurde von zu schnellen Gruppen überholt. Man fuhr auf zu langsame Gruppen auf. Und wir erreichten die Baumberge ohne das passende Kollektiv gefunden zu haben.

Strahlender Sonnschein bereits zum Start.

Strahlender Sonnschein bereits zum Start.

Der Streckenabschnitt zum Longinusturm hatte Anfang September noch eine Änderung erfahren. Es wurde eine Abfahrt, zwei scharfe Kurven und ein enger und sehr steiler Anstieg gestrichen. Zu dieser Entscheidung konnte man den Organisatoren nur gratulieren. Als ich die Strecken im Sommer abgefahren bin dachte ich mir an dieser Stelle sofort: „Da kann man doch nicht über 4000 Starter durchschicken!“ Das diese Annahme berechtigt und die Entscheidung der Veranstalter sinnvoll war, zeigte sich auch auf dem neuen Abschnitt. So wies dieser zwar keine Abfahrt und Haarnadelkurve mehr auf, aber dennoch ein (zu) enges Sträßchen. Auf dem kam es dann aufgrund der kurzen aber giftigen Steigung auch prompt zu Rückstaus und ich hätte zweimal fast absteigen müssen. Bei einer so großen Veranstaltung bedarf es meiner Meinung nach breiterer Straßen.

Vom Start ging es gemächlich auf die ersten 300 Meter.

Vom Longinusturm ging es dann mit Hochgeschwindigkeit hinab nach Billerbeck. Auf diesem Stück fanden wir auch endlich eine Gruppe die sehr gut zu unserem Leistungsvermögen passte und mit deren Kern wir später auch gemeinsam das Ziel erreichen sollten. Am Streckenrand herrschte eine tolle Stimmung unter den, aufgrund des schönen Wetters, zahlreich anwesenden Zuschauern. Wobei ich die Atmosphäre leider meist nur am Rande mitbekomme, da ich immer sehr auf die Streckenführung und die Mitfahrer fokussiert bin. Darfeld, Horstmar und Laer rauschten an uns vorbei und ich musste mal wieder feststellen, dass es schon tierisch Spaß macht über abgesperrte Straßen zu donnern. Getreu dem diesjährigen Giro Motto: „Es rockt, wenns rollt!“.

Bis eine passende Gruppe gefunden wurde dauerte es etwas.

Nachdem wir Horstmar passiert hatten und auf breiter Straße letzten 25 Kilometer fast schnurgerade in Richtung Münster unterwegs waren, drückte ich mir ein Gel rein und nahm – hoppla – die letzten Schlucke aus meiner Trinkflasche zu mir. Kurz nach Altenberge, ca 10 Kilometer vor dem Ziel, bemerkte ich dann ein leichtes Ziehen in der linken Wade. Jetzt rächte es sich wohl doch. Dass ich es die letzten 3 Wochen, bedingt durch einen Lehrgang und eine Erkältung, nur einmal auf das Rennrad geschafft hatte. Ich variierte die Belastung etwas und hoffte dass es noch bis ins Ziel funktionieren würde.

Kurz vor Münster.

Kurz vor Münster.

Dann ging es wieder nach Münster hinein. Das ist immer einer der spektakulärsten Momente des Giro. Es stehen noch mehr Zuschauer an der Strecke und dort wo sich sonst der Verkehr staut, fliegt man auf breiten Straßen quer durch die Häuserschluchten in Richtung Ziel. Ungefähr 1500 Meter vor dem Ziel musste auf der Steinfurter Straße die Fahrbahn gewechselt werden und aufgrund der dadurch entstehenden Welle konnte ich aus unserer ca. 20 Fahrer/innen starken Gruppe gut einen Blick voraus werfen. Wir hatten freie Bahn. Nur einzelne Fahrer befanden sich 50-100 Meter vor uns. Ich zog das Tempo nochmals an und setzte mich an die Spitze. Bis ich 600 Meter vor dem Ziel  in beiden Oberschenkeln (Musculus vastus medialis) gleichzeit einen Krampf bekam. Das hatte ich so noch nie erlebt. Ich nahm kurz den Druck vom Pedal und aus der sich auflösenden Gruppe schob sich mein Kollege mit 4 weiteren Fahrern an mir vorbei. Ich legte wieder zu und versuchte an den 5 dranzubleiben. Doch auch diesen Aktion quittierten meine Beine mit stechenden Krämpfen. Daher ließ ich sie ziehen, versuchte das Tempo einigermaßen aufrecht zu erhalten und rettete mich die letzten 100 Meter in einer Zeit von 1:58:05 über die Ziellinie. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35,4 Km/H. Und das ist für mich, auf dieser profilierten Strecke, ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.

Im Ziel.

Im Ziel.

Im Zielbereich tauschten wir die Transponder direkt gegen Pasta und alkoholfreies Weizen. Ich unterhielten mich noch eine Stündchen in der warmen Sonne mit meinen Kollegen, die auch alle heile ins Ziel gefunden hatten, bevor wir dann aufbrachen.

Ursächlich für die Krämpfe war neben den fehlenden Trainingskilometern in den 3 Wochen vor dem Rennen sicher auch die Tatsache, dass ich mich bezüglich der Temperatur verschätzt habe und zu wenig Flüssigkeit dabei hatte. Für eine lockere Tour dieser Distanz oder für kühleres Wetter hätte es gereicht. Doch für die deutlich höhere Intensität eines Rennens, bei den vorherrschenden Temperaturen, war eine Trinkflasche einfach zu wenig und ich hatte viel zu früh nichts mehr zu trinken.

Es war eine perfekt organisierte Veranstaltung unter traumhaften Wetterbedingungen und ich werden an den nun unweigerlich folgenden nassen und kalten Herbsttagen sicherlich noch gerne daran zurückdenken.

Münsterland Giro 2012

Die letzte Ausfahrt vor dem Giro, fand noch bei strahlendem Sonnenschein statt. Das sollte sich ändern.

Am 3.10.2012 stand wieder die Austragung des Münsterland Giro an. Dieses Radrennen hat sich in den letzten Jahren, hinter den Cyclassics in Hamburg und dem Velothon in Berlin, als drittgrößte Jedermann Veranstaltung in Deutschland etabliert und charakterisiert sich durch die wechselnde Streckenführung durch die Münster umgebenden Landkreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf. Diese Jahr stand die Schleife durch den Kreis Borken und meine zweite Teilnahme an dieser Veranstaltung auf dem Programm.

Wie im letzten Jahr habe ich die Strecke wieder gemeinsam mit einigen Kollegen aus unserer Betriebssportgemeinschaft in Angriff genommen und nachdem bei der letzten Austragung ein Kollege und ich kurz vor der Ziellinie stürzten, stand einmal mehr das gemeinsame Erlebnis und sturzfreie Ankommen im Vordergrund. Bedenken bezüglich einer erneuten Teilnahme hatte trotz dieser schlechten Erfahrung keiner. Musste man doch feststellen dass das letztjährige Unglück auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen war. So starteten auf unserer Strecke zwei Startblöcke gleichzeitig, anstatt mit Versatz und die wenig selektive Strecke und Wetterlage sorgte dafür das das Feld recht groß blieb und nicht in einzelne, kleinere Gruppen zerfiel. Auf der sich verengenden Zielgeraden wurde das Gedränge durch das Hauptfeld der 100er dann noch größer und das Unglück nahm seinen Lauf. Um eine Wiederholung zu verhindern wollten wir uns in diesem Jahr, sollte sich gegen Rennende wieder ein ähnlich großes Feld bilden, bereits außerhalb von Münster daraus zurückfallen lassen.

Mein (Ziel)Einlauf im letzten Jahr. Durch einen plötzlichen Schlenker eines Vorausfahrenden, der mir dabei ins Vorderrad fuhr, kam ein Kollege und ich zu Fall.

Einen weiteres Highlight des diesjährigen Termins. Zahlreiche Twitterer, zu denen ich im Verlauf des Jahres Kontakt geknüpft hatte, fanden sich ebenfalls in Münster ein und so wurde, in Anschluss an den Zieleinlauf, noch ein Treffen geplant.

Nachdem die Wetterprognosen am Wochenende, für den Mittwoch noch denkbar schlechtes Wetter meldeten, zogen wir bis zum Dienstag noch einen Startverzicht in Erwägung. Für mich hieße dass zumindest zum Twittertreffen zu fahren um viele der Leute endlich mal im RL kennenzulernen.

Bis zum Mittwoch Morgen hatten sich die Wettermeldungen aber etwas gebessert und prognostizierten, für das Zeitfenster des 60 Kilometer Rennens, einen trockenen und sogar sonnigen Abschnitt. Zusätzlich war lebhafter Wind aus Süd/Südwest, mit Böen bis 41 Km/h gemeldet. Dies bedeutet bei dem diesjährigen Streckenverlauf ca. 90% Seitenwind, ein Umstand der auf der erneut wenig selektiven Strecke das Feld ordentlich zerfetzen und das Rennen sicherer machen sollte.

Im Startblock C des 60 Km Rennens

So fanden wir uns dann also doch zu sechst im Startbereich ein und pünktlich schaute auch die Sonne vorbei. Da zwei Kollegen aus Startblock C starten mussten, stellten wir uns alle dort an und verzichteten auf die Plätze in Block B. Gegen kurz vor Zehn erfolgte unser Start. Die Straßen waren, in Folge des erst kurz zuvor gefallenen Regens, noch sehr naß und aufgrund der gerade stattfindenden Maisernte, stellenweise verschmutzt. Dies sorgte dafür, dass sich die liebevoll polierten Karbongeschosse einiger Teilnehmer innerhalb weniger Kilometer in Schlamm überzogenen Alpträume ihrer Besitzer verwandelten. Ein besonderer Höhepunkt der Schlammschlacht war sicherlich die ausgelaufene Gülle kurz hinter Münster. Während die meisten Fahrerinnen und Fahrer auf die saubere Fahrspur auswichen, bretterten einige Unentwegte kompromisslos durch die stinkende Brühe und sicherten sich so im Ziel einen Einzeltisch bei der abschließenden Pastaparty.

Wegen solcher Bilder wurde auf Twitter schon gewitzelt, wir wären bei einem MTB Rennen gestartet.

Schon unmittelbar nach dem Start warfen einige meiner Kollegen ihre vorher angekündigte Zurückhaltung über Bord. Ich hörte nur: „An die Gruppe versuchen wir dran zu kommen!“ und los ging die Jagd. Es ging sofort an den roten Bereich heran und das ist etwas was ich ja so gar nicht mag. Ich brauche eigentlich so ca. 30 Minuten bis der Motor so richtig rund läuft, aber die wurden mir an diesem Tag nicht gegönnt. So hatte ich auf den ersten 20 Kilometer ziemlich zu kämpfen um den Anschluss nicht zu verlieren. Vorne bolzten drei Kollegen Tempo und Hinten hingen drei am seidenen Faden. Durch das Überholen einzelner Fahrer entstanden immer wieder Lücken und eine davon wuchs plötzlich an, weil dem Initiator unseres Rushs plötzlich selbst die Luft ausging und der Rest vorne davonzog. Da die Anderen nicht reagieren konnten, musste ich, obwohl immer noch nicht warm gefahren, nach vorn um Bescheid zu geben. Als ich sie endlich erreichte und wir uns umschauten war von den Zurückgebliebenen jedoch schon nichts mehr zu sehen. Wir nahmen Tempo raus und warteten eine Weile, es tauchte jedoch niemand mehr auf.

Die Sonne schaute auch vorbei.

Also ging es zu dritt weiter. Mittlerweile war ich auch endlich auf Betriebstemperatur und konnte aktiver werden. Wie erwartet sorgte der Seitenwind dafür, dass das Feld in viele kleine Grüppchen zerfiel. Effektives Windschattenfahren war so nahezu unmöglich. Taktische Überlegungen wie die Bildung von Windstaffeln oder Kreiseln spielten in diesem Fahrerfeld keine Rolle, wurden jedoch auch durch den vorherrschenden Überholverkehr erschwert. So ging es hinauf nach Horstmar, zum Wendepunkt der Strecke. In der Steigung musste ich etwas herausnehmen um meine Mitfahrer nicht zu verlieren. Das half jedoch nur kurze Zeit, in der folgenden Abfahrt verloren wir unseren dritten Mann und waren nur noch zu zweit unterwegs. Als die Windböen auf den letzten 15 Kilometern immer stärker wurden zeigte sich jedoch, dass ich den Richtigen dabei hatte. Während ich als Leichtgewicht von den Böen immer wieder ausgebremst und aus dem Gleichgewicht gebracht wurde zog mein Begleiter, mit seinen 2 Metern Größe und 100 Kilogramm Gewicht, wie auf Schienen die Landstraße entlang und nach 1:47:54 erreichten wir schließlich gemeinsam das Ziel.

Dort sammelten wir uns wieder, was aufgrund der relativ kleine Zeitabstände sehr zügig ging. Nachdem wir die Transponder abgegeben hatten, versorgten wir uns mit einem Bier und einem Teller Pasta und tauschten unsere Eindrücke vom Rennen aus.

Als sich unsere Runde auflöste begab ich mich auf die Suche nach den „blauen Vögeln“ und fand sie nach kurzer Zeit an einem Tisch versammelt vor: FrauRadLos, Kaeterakete, ottoerich, Thinkslowly und vonWindoff. DerHerrL hatte ich leider schon verpasst, aber später gesellte sich noch thogies dazu. So verbrachten wir noch ein lustiges Stündchen. bevor alle nach und nach aufbrechen musste und wir uns auf den Heimweg machten.

Fazit des Tages: Der diesjährige Trikotslogan passte perfekt zum Wetter. Das Twitter-Treffen muss unbedingt ausgeweitet und wiederholt werden. Schade dass ich am Vorabend nicht schon Zeit hatte euch zu treffen.