Tour de France: Rückblick auf den Besuch des Grand Départ 2015 in Utrecht

Am Samstag ist es wieder soweit. Die Tour de France, das größte und spektakulärste Radrennen der Welt, wird gestartet und  zieht in den folgenden 3 Wochen bereits zum 103. mal ihre Schleife durch Frankreich. Der Grand Départ, das ist die traditionelle Bezeichnung für den Beginn der Landesrundfahrt, findet dieses Jahr in Mont-Saint-Michel statt. Ich verfolge das Rennen bereits seit vielen Jahren im TV und erfreue mich regelmäßig am spektakulären Renngeschehen und den beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Schon lange hatte ich den Wunsch den Rennzirkus einmal hautnah zu erleben und diesen Wunsch konnte ich mir letztes Jahr beim Grand Départ in Utrecht erfüllen.

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Als im November 2013 bekanntgegeben wurde, dass die Tour de France 2015 mit einem Einzelzeitfahren im niederländischen Utrecht starten sollte, war ich mir der günstigen Gelegenheit zu einem Besuch sofort bewusst. Bis nach Utrecht sind es von uns aus nur ca. 2,5 Stunden mit dem Auto und die Möglichkeit sogar einen Grand Départ mit einem Einzelzeitfahren zu erleben war natürlich besonders reizvoll. Die Überlegungen im Familienkreis gingen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht weiter ins Detail und es blieb bei einem lockeren Vorsatz, über den in den nächsten Monaten immer mal wieder gesprochen wurde.

Die Streckenführung des Prolog und unsere Marschgroute. (Copyright Geoatlas)

Die Streckenführung des Prolog und unsere Marschgroute. (Copyright Geoatlas)

Entgültig wurden unsere Pläne dann erst ca. 1 Monat vor dem Tourstart. Bei mir stand da schon lange fest, dass ich bereits eine Woche vor dem Tourtermin meinen dreiwöchigen Sommerurlaub antreten würde und die Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt sowieso schon Ferien. So stand einem schönen Gr0ßvater-Vater-Sohn-Trip zur Tour de France nach Utrecht also nichts im Weg.

Im Vorfeld unseres Trips besorgte ich mir den Streckenplan, die Startliste und Informationen zu den Parkmöglichkeiten. Besonders die Startliste war uns wichtig, da wir das gesamte Zeitfahren nicht von einer Stelle aus beobachten wollten, sondern von verschiedenen Positionen. Wir hofften so möglichst viele Eindrücke entlang der Strecke sammeln zu können. Ohne jedoch die Fahrt von Tony Martin zu verpassen. Der sich an diesem Tag, in seiner Spezialdisziplin, berechtigte Hoffnungen auf das gelbe Führungstrikot machte.

Bisher kannte ich sowas nur aus dem Skiurlaub.

Bisher kannte ich sowas nur aus dem Skiurlaub.

Kurz vor dem Starttag kamen nochmals kurze Zweifel auf, weil  extreme Hitze mit Temperatur jenseits der 35° gemeldet wurden. Da das Thermometer jedoch auch bei uns schon die ganze Woche nicht unter die 30° Grad gefallen war, fühlten wir uns mittlerweile ausreichend akklimatisiert.

Wir starteten morgens ausreichend früh, um mindestens 3 Stunden vor dem Start in Utrecht zu sein. Die Fahrt verlief problemlos und unsere Sorgen bezüglich möglicher Staus waren unbegründet. Ich war froh nicht bereits im Internet ein Parkticket gekauft zu haben, denn als wir unser Ziel erreichten waren zwar schon Parkplatzeinweiser vor Ort, jedoch niemand der kassierte. Der Tag lief also gut an.

Der Teufelslappen. Die Markierung für den letzten Kilometer.

Der Teufelslappen. Die Markierung für den letzten Kilometer.

Von unserem Parkplatz aus war es nur ein Kilometer bis wir an der Rennstrecke waren. Auf ihr waren bereits viele Fahrer unterwegs und nutzten die Gelegenheit noch für einen letzen Streckentest. Wir schlenderten entlang der sich langsam mit Zuschauern füllenden Strecke in Richtung Ziel. Unser Weg führte uns unter anderem direkt am Stadion Galgenwaard des FC Utrecht vorbei. Vielerorts hatten die Anwohner das gesamte Terrassenmobilar an den Straßenrad geschafft und machten es sich im Schatten von Sonnenschirmen und Pavillon gemütlich. Für die Kinder wurden Planschbecken aufgebaut und elektrisch betriebene Kühlboxen versuchten die Getränke auf angenehme Temperaturen zu bringen. Das ganze bildete eine tolle Mischung aus Strandszenerie, Straßenfest und eben Radrennen.

Alberto Contador steigt nochmal in das Auto um.

Alberto Contador steigt nochmal in das Auto um.

Je näher wir dem Stadtzentrum kamen, desto voller wurde es. Hier in der Innenstatt blieb den Zuschauern nicht so viele Platz, um eine persönlich Lounge einzurichten. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Inzwischen waren wir hungrig geworden und gönnten uns erstmal eine Frikandel spezial mit Fritten. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es weiter in Richtung Startbereich. Dort angekommen beobachteten wir zunächst einmal das bunte Treiben. Die Fahrer und Teamfahrzeuge fuhren auf ihrem Weg ins Fahrerlager oder auf die Strecke direkt an uns vorbei.

Der Jaguar F-Pace des team Sky. Das Fahrzeug wurde erst Monate später auf der IAA vorgestellt, war jedoch in Utrecht schon im Einsatz.

Der Jaguar F-Pace des Team Sky. Das Fahrzeug wurde erst Monate später auf der IAA vorgestellt, war jedoch in Utrecht schon im Einsatz.

Irgendwann bemerkte ich, dass wir am Fuß eines geschlossenen Parkhauses standen. Da das betreten zu Fuß kein Problem war wechselten wir von unserem Standpunkt auf die erste Etage des leeren Gebäudes und hatten einen herrlich schattigen und luftigen Aussichtspunkt. Von hier verfolgten wir den Vorbeizug der restlichen Fahrer und Teams, sowie der gesamten Werbekarawane.

Von unserer erhöhten Position im Parkhaus hatten wir einen super Überblick.

Von unserer erhöhten Position im Parkhaus hatten wir einen super Überblick.

Als es allmählich ruhiger wurde gingen wir hinüber zum Fahrerlager, schauten uns die Startvorbereitungen der Mannschaften an und bestaunten das aufgefahrene Material. Wir umrundeten das Fahrerlager und stellten uns auf Höhe der Startrampe auf. Es dauerte dann nur wenige Minuten bis der erste Fahrer, nach einem Countdown und unter lauten Anfeuerungsrufen, die Tour de France 2015 eröffnete und von der Rampe rollte.

 

 

Im Bereich Equipment war der Ansatz der Teams maximal.

Im Bereich Equipment war der Ansatz der Teams maximal.

 

Kurz vor dem Start der Tour de France 2015.

Kurz vor dem Start der Tour de France 2015.

Nach ein paar Starts wechselten wir zum Zielbereich hinüber und sahen uns dort um. Nach und nach kamen die Fahrer ins Ziel. Hier fanden wir auch eine tolle Stelle, um die Hauptakteure aus nächster Nähe sehen zu können. Denn kurz nach dem Ziel wurde die Menschenmenge schnell kleiner und die Athleten rollten langsam, quasi direkt über unsere Füße, zum Fahrerlager zurück.

 

Hier fand später die Siegerehrung statt.

Hier fand später die Siegerehrung statt.

 

Richie Porte nach der Zieldurchfahrt.

Richie Porte nach der Zieldurchfahrt.

Von dort machten wir uns, entlang der Strecke, wieder auf den Rückweg. Wir wollten am Ende der Etappe nämlich wieder in der Nähe unseres Parkplatzes sein, um schnell zurück auf die Autobahn zu kommen. Darüber hinaus suchten wir noch eine schöne Stelle, um Tony Martin anzufeuern.

Vielerorts standen Leinwände und man konnte das Geschehen verfolgen.

Vielerorts standen Leinwände und man konnte das Geschehen verfolgen.

Wir blieben immer mal wieder stehen und sahen uns den einen oder anderen Fahrer an. Unsere Getränkevorräte gingen in der sengenden Hitze allmählich zuneige. Man konnte gar nicht so viel mitschleppen, wie man hatte trinken müssen. Freundlicherweise legten zahlreiche Anwohner Trinkwasserleitungen vor das Haus oder richteten kühlende Sprühduschen aus den höheren Stockwerken ein. Da ich auf die offiziellen Wasserzapfstellen vorbereitet war, hatte ich Magnesiumbrausetabletten dabei und wir konnten unsere Vorräte wieder problemlos auffüllen.

Die 10 Kilometermarke.

Die 10 Kilometermarke.

Wir waren mittlerweile schon wieder kurz vor dem Stadion Galgenwaard, als wir an einer schattigen Allee noch ausreichend freie Plätze in der ersten Reihe vorfanden. Hier ließen wir uns erneut nieder und warteten die Vorbeifahrt von Tony Martin ab. Dabei schafften wir es sogar in die Liveübertragung der ARD, wie ich am Abend feststellte. Danach ging es dann, mit einem kleinem Zwischenstopp zu Ehren des vorbeirauschenden Titelverteidigers Vincenzo Nibali, zurück zum Auto. Dort erwarteten uns noch frische Getränke und etwas zu Essen. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns dann erschöpft auf den Heimweg.

Tony Martin im D-Trikot und wir mit D-Flagge im TV. Leider reichte es nicht für das gelbe Trikot.

Tony Martin im D-Trikot und wir mit D-Flagge im TV. Leider reichte es nicht für das gelbe Trikot.

Der Ausflug hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Da wir das Rennen nicht nur von einer Stelle verfolgten, haben wir eine Fülle von Eindrücken sammeln können. Wenngleich dies, besonders bei der vorherrschenden Hitze, doch sehr anstrengend war. Ich hatte auch nicht erwartet, bei einem Rennen dieser Größenordnung, so dicht an das Geschehen heranrücken zu können. Ich bin mir erst nach diesem Besuch der tatsächlichen Größe des Tour de France Tross bewusst. Besuche beim Münsterland Giro und der Deutschlandtour lassen das nicht mal erahnen. Umso mehr freue ich mich, dass der nächste Besuch eines Grand Departs der Tour de France nicht lange auf sich warten lassen wird. Denn mittlerweile hat sich unsere Landeshauptstadt ja erfolgreich um den Tour-Auftakt im Jahr 2017 beworben. Und der wird, nach den Erfahrungen des letzten Jahres, bestimmt nicht ohne mich stattfinden.

Der Titelverteidiger schließt das Zeitfahren.

Der Titelverteidiger schließt das Zeitfahren.

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