Münsterland Giro 2012

Die letzte Ausfahrt vor dem Giro, fand noch bei strahlendem Sonnenschein statt. Das sollte sich ändern.

Am 3.10.2012 stand wieder die Austragung des Münsterland Giro an. Dieses Radrennen hat sich in den letzten Jahren, hinter den Cyclassics in Hamburg und dem Velothon in Berlin, als drittgrößte Jedermann Veranstaltung in Deutschland etabliert und charakterisiert sich durch die wechselnde Streckenführung durch die Münster umgebenden Landkreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf. Diese Jahr stand die Schleife durch den Kreis Borken und meine zweite Teilnahme an dieser Veranstaltung auf dem Programm.

Wie im letzten Jahr habe ich die Strecke wieder gemeinsam mit einigen Kollegen aus unserer Betriebssportgemeinschaft in Angriff genommen und nachdem bei der letzten Austragung ein Kollege und ich kurz vor der Ziellinie stürzten, stand einmal mehr das gemeinsame Erlebnis und sturzfreie Ankommen im Vordergrund. Bedenken bezüglich einer erneuten Teilnahme hatte trotz dieser schlechten Erfahrung keiner. Musste man doch feststellen dass das letztjährige Unglück auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen war. So starteten auf unserer Strecke zwei Startblöcke gleichzeitig, anstatt mit Versatz und die wenig selektive Strecke und Wetterlage sorgte dafür das das Feld recht groß blieb und nicht in einzelne, kleinere Gruppen zerfiel. Auf der sich verengenden Zielgeraden wurde das Gedränge durch das Hauptfeld der 100er dann noch größer und das Unglück nahm seinen Lauf. Um eine Wiederholung zu verhindern wollten wir uns in diesem Jahr, sollte sich gegen Rennende wieder ein ähnlich großes Feld bilden, bereits außerhalb von Münster daraus zurückfallen lassen.

Mein (Ziel)Einlauf im letzten Jahr. Durch einen plötzlichen Schlenker eines Vorausfahrenden, der mir dabei ins Vorderrad fuhr, kam ein Kollege und ich zu Fall.

Einen weiteres Highlight des diesjährigen Termins. Zahlreiche Twitterer, zu denen ich im Verlauf des Jahres Kontakt geknüpft hatte, fanden sich ebenfalls in Münster ein und so wurde, in Anschluss an den Zieleinlauf, noch ein Treffen geplant.

Nachdem die Wetterprognosen am Wochenende, für den Mittwoch noch denkbar schlechtes Wetter meldeten, zogen wir bis zum Dienstag noch einen Startverzicht in Erwägung. Für mich hieße dass zumindest zum Twittertreffen zu fahren um viele der Leute endlich mal im RL kennenzulernen.

Bis zum Mittwoch Morgen hatten sich die Wettermeldungen aber etwas gebessert und prognostizierten, für das Zeitfenster des 60 Kilometer Rennens, einen trockenen und sogar sonnigen Abschnitt. Zusätzlich war lebhafter Wind aus Süd/Südwest, mit Böen bis 41 Km/h gemeldet. Dies bedeutet bei dem diesjährigen Streckenverlauf ca. 90% Seitenwind, ein Umstand der auf der erneut wenig selektiven Strecke das Feld ordentlich zerfetzen und das Rennen sicherer machen sollte.

Im Startblock C des 60 Km Rennens

So fanden wir uns dann also doch zu sechst im Startbereich ein und pünktlich schaute auch die Sonne vorbei. Da zwei Kollegen aus Startblock C starten mussten, stellten wir uns alle dort an und verzichteten auf die Plätze in Block B. Gegen kurz vor Zehn erfolgte unser Start. Die Straßen waren, in Folge des erst kurz zuvor gefallenen Regens, noch sehr naß und aufgrund der gerade stattfindenden Maisernte, stellenweise verschmutzt. Dies sorgte dafür, dass sich die liebevoll polierten Karbongeschosse einiger Teilnehmer innerhalb weniger Kilometer in Schlamm überzogenen Alpträume ihrer Besitzer verwandelten. Ein besonderer Höhepunkt der Schlammschlacht war sicherlich die ausgelaufene Gülle kurz hinter Münster. Während die meisten Fahrerinnen und Fahrer auf die saubere Fahrspur auswichen, bretterten einige Unentwegte kompromisslos durch die stinkende Brühe und sicherten sich so im Ziel einen Einzeltisch bei der abschließenden Pastaparty.

Wegen solcher Bilder wurde auf Twitter schon gewitzelt, wir wären bei einem MTB Rennen gestartet.

Schon unmittelbar nach dem Start warfen einige meiner Kollegen ihre vorher angekündigte Zurückhaltung über Bord. Ich hörte nur: „An die Gruppe versuchen wir dran zu kommen!“ und los ging die Jagd. Es ging sofort an den roten Bereich heran und das ist etwas was ich ja so gar nicht mag. Ich brauche eigentlich so ca. 30 Minuten bis der Motor so richtig rund läuft, aber die wurden mir an diesem Tag nicht gegönnt. So hatte ich auf den ersten 20 Kilometer ziemlich zu kämpfen um den Anschluss nicht zu verlieren. Vorne bolzten drei Kollegen Tempo und Hinten hingen drei am seidenen Faden. Durch das Überholen einzelner Fahrer entstanden immer wieder Lücken und eine davon wuchs plötzlich an, weil dem Initiator unseres Rushs plötzlich selbst die Luft ausging und der Rest vorne davonzog. Da die Anderen nicht reagieren konnten, musste ich, obwohl immer noch nicht warm gefahren, nach vorn um Bescheid zu geben. Als ich sie endlich erreichte und wir uns umschauten war von den Zurückgebliebenen jedoch schon nichts mehr zu sehen. Wir nahmen Tempo raus und warteten eine Weile, es tauchte jedoch niemand mehr auf.

Die Sonne schaute auch vorbei.

Also ging es zu dritt weiter. Mittlerweile war ich auch endlich auf Betriebstemperatur und konnte aktiver werden. Wie erwartet sorgte der Seitenwind dafür, dass das Feld in viele kleine Grüppchen zerfiel. Effektives Windschattenfahren war so nahezu unmöglich. Taktische Überlegungen wie die Bildung von Windstaffeln oder Kreiseln spielten in diesem Fahrerfeld keine Rolle, wurden jedoch auch durch den vorherrschenden Überholverkehr erschwert. So ging es hinauf nach Horstmar, zum Wendepunkt der Strecke. In der Steigung musste ich etwas herausnehmen um meine Mitfahrer nicht zu verlieren. Das half jedoch nur kurze Zeit, in der folgenden Abfahrt verloren wir unseren dritten Mann und waren nur noch zu zweit unterwegs. Als die Windböen auf den letzten 15 Kilometern immer stärker wurden zeigte sich jedoch, dass ich den Richtigen dabei hatte. Während ich als Leichtgewicht von den Böen immer wieder ausgebremst und aus dem Gleichgewicht gebracht wurde zog mein Begleiter, mit seinen 2 Metern Größe und 100 Kilogramm Gewicht, wie auf Schienen die Landstraße entlang und nach 1:47:54 erreichten wir schließlich gemeinsam das Ziel.

Dort sammelten wir uns wieder, was aufgrund der relativ kleine Zeitabstände sehr zügig ging. Nachdem wir die Transponder abgegeben hatten, versorgten wir uns mit einem Bier und einem Teller Pasta und tauschten unsere Eindrücke vom Rennen aus.

Als sich unsere Runde auflöste begab ich mich auf die Suche nach den „blauen Vögeln“ und fand sie nach kurzer Zeit an einem Tisch versammelt vor: FrauRadLos, Kaeterakete, ottoerich, Thinkslowly und vonWindoff. DerHerrL hatte ich leider schon verpasst, aber später gesellte sich noch thogies dazu. So verbrachten wir noch ein lustiges Stündchen. bevor alle nach und nach aufbrechen musste und wir uns auf den Heimweg machten.

Fazit des Tages: Der diesjährige Trikotslogan passte perfekt zum Wetter. Das Twitter-Treffen muss unbedingt ausgeweitet und wiederholt werden. Schade dass ich am Vorabend nicht schon Zeit hatte euch zu treffen.

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8 Responses to Münsterland Giro 2012

  1. Thorsten says:

    Schöner Bericht und es mich sehr gefreut, Dich/Euch kennenzulernen. Bis zum nächsten mal! :)

  2. torstenfrank says:

    Ja, das Rennfieber. Es packt sie doch meist alle… :)

    Bei „blauen Vögeln“ stand ich kurz auf der Leitung und dachte erst „was haben sie nun schon wieder ausgeheckt…“ ;-)

  3. Markus Zeeh says:

    Schöner Bericht und toll das ihr das soziale mit dem Treffen auch geschafft hab. Hach, bissl neidisch doch so weit weg zu sein. Naja, schauen wir mal was 2013 drin ist.

    • Patrick says:

      Ja, das war wirklich eine schöne Sache. Für dich natürlich „Out of Area“, aber vielleicht mal im Rahmen eines Besuch in der Heimat. Würde mich freuen.

  4. Moritz says:

    Hallo,
    Danke für den schönen Bericht!
    Ich als Anfänger hab lange nach einem so informativen Bericht gesucht,
    jetzt kann ich mir noch besser ein Bild darüber machen, wie das Münsterland Giro abläuft und wie es gehen kann wenn ich trainiert genug bin um es auch einmal zu versuchen. Danke!

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