RTF Harsewinkel 2012

Am vergangenen Sonntag habe ich die zweite RTF dieses Jahres und überhaupt in Angriff genommen. (Was ist eine RTF?) Obwohl meine RTF Erfahrung bisher also sehr gering ist, konnte ich interessanterweise schon deutliche Unterschiede bei Organisation und Durchführung zwischen den beiden Veranstaltungen in Gütersloh und Harsewinkel feststellen.

So war es mir schon nicht möglich über die Homepage des ausrichtenden Vereins, dem RSG Harsewinkel, an aktuelle Informationen zur Veranstaltung zu gelangen. Komplett auf Flash basierend, datieren die aktuellsten Nachrichten auf den September 2010. Auch der beworbene Twitter Account hat seit zwei Jahren leider keine Aktualisierung erfahren. Auf GPSIES fand ich zumindest einen Track der 110er Runde aus dem Jahr 2009. Nicht jedoch vom Veranstalter, sondern von einem Teilnehmer. Zumindest hatte ich dadurch einen Anhalt wie die Strecke verläuft und wie ich später feststellte war der Verlauf, bis auf eine Änderung, auch identisch. Aufgrund meiner Erfahrung mit dem Informationsmanagement der Veranstalter habe ich die 2012 Version der 110er auch direkt wieder unter GPSIES eingestellt (Link). Die Verpflegung, Bananen und Rosinenbrot, viel gegenüber der RTF in Gütersloh auch etwas ab. Von Sicherungsposten im Bereich großer Kreuzungen und Streckenfotograf mal ganz zu schweigen. Die Ausschilderung war, aufgrund der zweifarbigen Schilder,  jedoch besser zu erkennen als in Gütersloh.

Was bei beiden Veranstaltungen identisch war, die einstelligen Temperaturen zur Startzeit. So traf ich also, in wärmende Beinlinge, Armlinge und Weste gekleidet, Katrin, Gerry und Lionel zum vereinbarten Zeitpunkt im Startbereich. Man konnte förmlich das Klappern der Zähne einiger, doch recht kurz und dünn gekleideter, Teilnehmer hören. Pünktlich um 8:00 Uhr rollte das Feld dann los und wir fanden uns in einer ca. 40 köpfigen Gruppe wieder, in der wir sehr ökonomisch dahinrollen konnten. Kurz nachdem es an mir lag an der Spitze des Feldes die Nase in den Wind zu halten, erreichten wir nach 22 Kilometern schon die erste Kontrolle.

Der Stopp an der Kontrollstelle führte leider dazu, dass sich unsere Gruppe auflöste. So ging es dann also mit weniger Windschatten in Richtung Teutoburger Wald, dessen Kamm wir bei Bad Iburg überquerten. Der Teuto präsentierte sich an diesem Morgen von einer sehr schönen Seite. Über dem Höhenzug leuchtete noch schwach die Morgenröte und dünne Nebelschwaden durchzogen die Bäume auf den Hängen. Eigentlich zu schön um einfach weiter zu fahren, aber wir hatten ja noch genug Strecke zu bewältigen und hatten so leider nur Zeit für einige Blicke und bewundernde Kommentare.

In den Steigungen verloren Gerry und ich die anderen aus den Augen, bei Kontrollstelle 2 fanden wir jedoch alle wieder zusammen. Von dort ging es, bei inzwischen angenehmen Temperaturen und ohne Beinlinge, wieder in Richtung Süden über den Höhenrücken des Teutoburger Walds. Katrin und Lionel ließen es etwas ruhiger angehen und so ging es für Gerry, den „Blauen“ und mich auf die schöne Abfahrt hinab nach Lienen. Auf den „Blauen“, benannt nach seinem Trikot, waren wir im letzten Anstieg aufgefahren und er hing sich, ohne die Absicht viel führen zu wollen, an uns ran. Berauscht durch die Geschwindigkeit in der Abfahrt fuhren wir ab dem Zeitpunkt konsequent Windschatten und waren dadurch natürlich deutlich schneller unterwegs. Eigentlich begann die RTF jetzt erst so richtig. Nun sollte der Tacho, außer in den zahlreichen Abzweigungen, nicht mehr groß unter die 33 Km/H Marke fallen und wir erreichten schnell die letzte Kontrolle.

Nachdem ich meine Trinkflasche aufgefüllt hatte, ging es auch schon weiter. Als erstes gabelten wir wieder den „Blauen“ auf, der sich auch erneut dankbar anschl0ss, ohne viel zu tun. Wir rollte das Feld jetzt von hinten auf, durchstießen Gruppe um Gruppe und sammelten dabei weitere Fahrer auf und waren schließlich zu sechst unterwegs. Der Tacho kletterte immer weiter nach oben, 33, 35, 38, bis auf den „Blauen“ machten alle mit. Es war ein tolles Gefühl so dahin zu preschen, bis ich ca. 20 Km vor dem Ziel merkte wie meine Reservelampe ansprang. Jetzt hieß es Zähne zusammenbeißen. Ich konnte mich jetzt auch nicht mehr an die Spitze setzen und musste stattdessen zunehmend darum kämpfen den Anschluss nicht zu verlieren. Die zahlreichen scharfen Abzweigungen und die danach folgenden Antritte zogen mir nach und nach die Kraft aus den Beinen.

Der „Blaue“ entsorge sich dann selbst. Als er doch mal die Führung übernahm, einen Abzweig verpasste und auf die Rufe zu spät reagierte, schaffte er den Anschluß an die zügig gewendete und weiterpreschende Gruppe nicht mehr. Ich hatte jetzt aber auch immer mehr zu kämpfen, die rechte Wade begann bedrohlich zu ziehen und nach jedem Abzweig viel es mir schwerer  an der Gruppe dran zu bleiben. Immer wieder öffnete sich eine Lücke die ich mühsam schließen musste. Da ich auch nicht wusste wie weit es noch bis zum Ziel war, wechselte ich auf den Kartenbildschirm meines Edge und stellte erleichtert fest, dass wir schon kurz vor Harsewinkel waren. Das ist zu schaffen dachte ich mir. Doch kurz vor der nicht vorhandenen „Flamme Rouge“ zog plötzlich ein Fahrer, von dem ich nicht weiß ob er er von meinem Hinterrad oder von weiter hinten kam, mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss an mir vorbei. Was passieren musste passierte, als er an unserer Gruppe vorbeifuhr, wurde das Tempo nochmal angezogen. Der letzte Antritt, noch einmal aus dem Sattel, noch einmal richtig reintreten, Krampf. Es ging nicht mehr, die Wade spielte nicht mehr mit. Schweren Herzens ließ ich die Jungs ziehen und rollte den letzten Kilometer gemächlich ins Ziel. Dort empfing mich Gerry und versorge mich sofort mit einer schönen kalten Cola und wir warteten auf Katrin und Lionel. Wir genossen dann noch ein wenig die Sonne und quatschten etwas, bevor es nach einem tollen Vormittag wieder Hause ging.

Übersicht der einzelnen Streckenabschnitte:

Section 1 Section 2 Section 3 Section 4
Distance 22.3 km 31.9 km 23.4 km 28.3 km
Elev Gain 29 m 214 m 206 m 26 m
Elapsed Time 00:45:51 01:05:06 00:48:15 00:52:19
Average Speed 29.1 km/h 29.4 km/h 29.1 km/h 32.5 km/h
Average HR 134 bpm 155 bpm 167 bpm 173 bpm
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2 Responses to RTF Harsewinkel 2012

  1. torstenfrank says:

    Schöner Bericht. Mensch, der arme Blaue. Da führt er schon mal und dann so was… ;-)

    • Patrick says:

      Vielleicht sind es Erfahrungen wie diese, die ihn so zögerlich die Führung übernehmen lassen. Ich fand die Situation auf jeden Fall sehr amüsant. :)

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